Schloss Steinort in Sztynort am Ufer des Mamry-Sees
8 km von unsGeschichte & Kultur

Schloss Steinort in Sztynort – Geschichte und Schönheit am Mamry-See

Nur 8 km von Poza Zgiełkiem entfernt liegt eines der bedeutendsten historischen Orte Masurens – der ehemalige Sitz der Familie Lehndorff, Schloss Steinort in Sztynort. Es ist ein außergewöhnlicher Ort, an dem über 700 Jahre Geschichte mit der einzigartigen Natur am Mamry-See verflochten sind.

Geschichte – Heimat einer der ältesten Familien Ostpreußens

Schloss Steinort war über 700 Jahre im Besitz der Familie Lehndorff, einer der angesehensten preußischen Adelsdynastien. Die im 18. Jahrhundert erbaute Barockresidenz war ein Zentrum des Kulturlebens Ostpreußens. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss zum Treffpunkt hochrangiger Offiziere, und Heinrich Himmler selbst war häufiger Gast. Heinrich von Lehndorff-Steinort, der damalige Eigentümer, beteiligte sich aktiv am Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 und wurde dafür hingerichtet. Die Geschichte dieses Ortes zeugt vom Mut und tragischen Schicksal des preußischen Adels.

Renovierung und neues Leben des Schlosses

Nach Jahrzehnten des Verfalls verfiel das Schloss zur Ruine. Im Jahr 2016 übernahm eine polnisch-deutsche Stiftung die Verwaltung und begann eine gründliche Revitalisierung. Heute können Besucher sowohl die Schlossräume als auch die wunderschönen Parkgärten erkunden, die hinunter zu den Gewässern des Mamry-Sees führen. Das Anwesen veranstaltet regelmäßig Ausstellungen, Open-Air-Kulturveranstaltungen, Konzerte und historische Führungen. Schloss Steinort ist zum Symbol der polnisch-deutschen Versöhnung und gemeinsamen Pflege des Kulturerbes geworden.

Naturschutzgebiet und Reiherbucht

Direkt neben dem Schloss erstreckt sich das strenge Naturschutzgebiet Sztynort, das einen ursprünglichen Mischwald und wilde Seeufer schützt. In der nahegelegenen Czapla-Bucht (czapla bedeutet auf Polnisch Graureiher) kann man Graureiherkolonien und andere Wasservögel beobachten. Die Gegend ist ein Paradies für Vogelbeobachter – im Frühling und Sommer sind hier Seeadler, Kraniche und viele seltene Zugvogelarten zu sehen. Der Naturlehrpfad rund ums Schutzgebiet ist etwa 6 km lang und hervorragend ausgeschildert.

Heinrich von Lehndorff und die Verschwörung

Der letzte Eigentümer von Steinort, Heinrich von Lehndorff-Steinort, ist die Gestalt, die diesem Ort eine Bedeutung weit über die Architektur hinaus gibt. Als junger, gut vernetzter Aristokrat sah er zunächst keinen Anlass, sich dem neuen Regime zu widersetzen. Verändert hat ihn die unmittelbare Begegnung mit den Verbrechen an der Ostfront, die er als Verbindungsoffizier miterlebte. Er schloss sich dem Kreis der Verschwörer um Claus von Stauffenberg und Henning von Tresckow an, und sein Schloss – mit Ribbentrop in einem Flügel einquartiert und Himmler als häufigem Gast – wurde zu einem Ort, an dem buchstäblich eine Wand entfernt von den höchsten Repräsentanten des Reiches über das Attentat gesprochen wurde. Nach dem gescheiterten Versuch vom 20. Juli 1944 wurde Lehndorff verhaftet, floh, wurde erneut gefasst und im September 1944 hingerichtet. Seine Frau Gottliebe und die vier Töchter kamen in Lager; die Familie war viele Monate getrennt.

Verfall nach 1945 und Rettung in letzter Minute

Die Nachkriegsgeschichte des Schlosses ist eine lange Geschichte der Vernachlässigung. Ein Staatsgut übernahm das Gebäude und richtete in den barocken Innenräumen Lager und Büros ein. Stuck wurde überstrichen, Dächer wurden undicht, die Ausstattung verschwand spurlos. Nach 1989 wechselte das Haus mehrfach den Besitzer und verfiel noch schneller – zeitweise drohte der Einsturz. Die Wende kam 2009, als der damalige Eigentümer, die Betreiberfirma der benachbarten Marina, das Schloss unentgeltlich an die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz übertrug. Seither wird es mit polnischen und deutschen Mitteln schrittweise gerettet – eines der bedeutenderen Beispiele gemeinsamer Sorge um das Erbe des früheren Ostpreußens.

Stand der Restaurierung 2026 – was zu sehen ist

Das ist der entscheidende praktische Hinweis für die Planung: 2026 wird das Schloss weiterhin umfassend restauriert, die Innenräume sind für den allgemeinen Tourismus nicht zugänglich. Nach Abschluss der Arbeiten an der Frontfassade und dem Wiederaufbau des Balkons laufen die Dachsanierung und die Konservierung der barocken Deckenmalereien, unter anderem finanziert durch eine Zuwendung des Deutschen Bundestages. Das heißt aber nicht, dass sich die Anreise nicht lohnt. Baukörper und umgebender Park sind ganzjährig frei zugänglich, und der Anblick einer großen Barockresidenz im Gerüst, die langsam ins Leben zurückkehrt, hat seine eigene Wirkung. Prüfen Sie vor der Anreise die Website der Stiftung – in der Saison gibt es gelegentlich Tage der offenen Tür und Führungen, eine seltene Gelegenheit, hineinzukommen.

Schlosspark und alte Eichen

Für viele Besucher ist der Park rund um das Schloss ebenso interessant wie das Gebäude selbst – und unter den derzeitigen Umständen schlicht besser zugänglich. Hier wachsen mehrere Hundert Jahre alte Eichen, gepflanzt von aufeinanderfolgenden Generationen der Lehndorffs, mit Stämmen, die drei Erwachsene nicht umfassen. Zwischen dem Altbaumbestand stehen die Ruinen einer früheren Kapelle und eines Teehauses, und die Achsen der Alleen führen noch immer klar zum Wasser hinunter. Der Park ist auf eine Weise verwildert, die vielen besser gefällt als gepflegte Anlagen – es wächst frei, es ist still, und im Herbst, wenn sich die Eichen verfärben, wird es außergewöhnlich schön. Ein gemächlicher Rundgang dauert etwa eine Stunde.

Yachthafen, Konzerte und Praktisches

Direkt neben dem Schloss liegt einer der größten Yachthäfen Masurens – in der Saison ein belebter Ort mit Restaurants, Bootsverleih und Hunderten Masten an den Stegen. Der Kontrast zwischen der Stille des verwilderten Parks und dem Treiben im Hafen ist eines jener Details, die im Gedächtnis bleiben. Im Sommer finden in Steinort außerdem Konzerte in der Kulisse des Schlosses statt, die bei der Terminplanung einen Blick wert sind. Von Poza Zgiełkiem sind es 8 km, etwa zwölf Minuten mit dem Auto oder fünfundzwanzig mit dem Rad – eine der schönsten kurzen Radstrecken unserer Gegend, auf einer schmalen Straße am Ufer entlang. Der Zugang zum Park ist frei, das Parken am Hafen in der Saison kostenpflichtig.

Legenden, Kurioses und Spuren einer versunkenen Welt

Um Steinort ranken sich etliche Geschichten, manche davon wahr. Ribbentrop, im Schloss einquartiert, soll mehrere alte Eichen haben fällen lassen, weil sie ihm die Sicht nahmen – Lehndorff habe offen widersprochen, was angesichts des Kräfteverhältnisses keine Kleinigkeit war. Eine bestimmte Eiche im Park wird bis heute als jene gezeigt, unter der sich die Familie vor der Verhaftung verabschiedet haben soll. In den Kellern suchte man nach dem Lehndorff-Schatz, so wie man in Mamerki das Bernsteinzimmer suchte; gefunden wurde nichts. Am interessantesten sind jedoch nicht die Legenden, sondern die Details, die tatsächlich überdauert haben: Fragmente barocker Deckenmalerei unter Farbschichten, das in Stein gehauene Wappen über dem Eingang, die Ofenkacheln. Sie sind es, nicht die Geschichten, die im Gedächtnis bleiben.

Was sich rund um Steinort noch lohnt

Steinort lässt sich gut mit anderen Zielen auf derselben Seeseite verbinden. Drei Kilometer von uns liegt Mamerki mit dem unversehrten Bunkerkomplex und einem Aussichtsturm, von dem aus auch die Halbinsel Steinort zu sehen ist. Węgorzewo, 7 km entfernt, bietet Schiffsfahrten auf dem Mamry-See – eine völlig andere Perspektive auf Schloss und Halbinsel. Auch ein Abschnitt der Radroute aus unserem Ratgeber Radfahren in Węgorzewo verläuft an diesem Ufer. Wer einen ganzen Tag daraus machen möchte, fährt weiter nach Giżycko zur Festung Boyen und kehrt über die andere Seeseite zurück. Die gesamte Runde umfasst rund 60 km und passt bequem zwischen Frühstück und Abendessen.

Besuchertipp

Schloss Steinort ist von Mai bis Oktober geöffnet. Wir empfehlen den Spaziergang entlang des Seeufers – er dauert ca. 45 Minuten und bietet atemberaubende Aussichten. Parkplatz vor Ort kostenlos. Schloss und Umgebung sind auch [[im Herbst und Winter|mazury-jesien-zima]] wunderschön. Die Region ist ein [[Spuren Ostpreußens|spuren-ostpreussens-wegorzewo]]-Erlebnisweg.

Foto: Wikimedia Commons / Sławomir Milejski / CC BY-SA

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