Im Rahmen des STN:ORT Festivals 2026 zeigte das Teatr Chochół am Sonntag, dem 26. Juli 2026, um 21:00 Uhr die Uraufführung von „Ahasverus. Der Wanderer aus Steinort". Die Inszenierung ist als Wanderung durch die Gärten des Schlosses Steinort angelegt und versetzt das Publikum in das Europa des 17. Jahrhunderts. Der Eintritt war frei. Wir beschreiben sie hier, weil es das Interessanteste ist, was diesem Schloss seit Jahren widerfahren ist – und weil das Festival wiederkommt.
Wer Ahasverus von Lehndorff war
Die Inszenierung beruht auf einem Text von Robert Wasilewski und stützt sich auf die überlieferte Kavalierstour, die der spätere Erbe von Steinort, Ahasverus von Lehndorff, über mehr als ein Jahrzehnt durch das Europa des 17. Jahrhunderts unternahm. Die Erzählung beginnt mit dem Tatarenüberfall auf Steinort 1656 und der Verschleppung der Schlossbewohner, führt den Helden dann durch die Niederlande, Frankreich, Italien, Spanien und Malta. Es ist eine abenteuerliche Reise – mit Seeschlachten gegen die Osmanen und dem Aufstieg auf den rauchenden Vesuv – und zugleich voller jugendlicher Faszinationen, etwa der Begegnung mit Königin Christina von Schweden, einer unabhängigen, wissenschafts- und kunstbegeisterten Frau.
Die Form: eine Wanderung durch die Schlossgärten
Das ist kein Stück, das man vom Stuhl aus verfolgt. Das Publikum geht mit den Darstellern durch die vorgefundene Landschaft am Rand des Schlosses, die einzelnen Szenen spielen an verschiedenen Punkten des Parks. Die Musik wird live auf traditionellen alten Instrumenten und mit menschlichen Stimmen aufgeführt, verantwortet von Jacek Hałas, der auch zur Besetzung gehört. Regie führt Przemysław Wasilkowski, das Bühnenbild stammt von Bartosz Myślak. Beteiligt ist ein internationales Ensemble, eigens zusammengestellt, um die sprachliche Authentizität der Szenen aus den einzelnen Reiseetappen zu wahren – auf der Bühne sind Polnisch, Französisch, Italienisch und Katalanisch zu hören.
Warum ausgerechnet Steinort
Diese Inszenierung konnte nur hier entstehen. Das Schloss Steinort gehörte über siebenhundert Jahre der Familie Lehndorff, und Ahasverus ist einer ihrer farbigeren Vertreter. Das Schloss wird weiterhin restauriert, seine Innenräume sind für Besucher geschlossen – Veranstaltungen wie STN:ORT gehören daher zu den wenigen Gelegenheiten, das Gelände anders als von außen, hinter dem Zaun, zu erleben. Mitveranstalter sind der Verein Gesellschaft Lehndorff e.V. und Memuak, das Multimediale Zentrum für Umwelt und Segeln. Gefördert wurde das Projekt vom Minister für Kultur und Nationales Erbe aus dem Fonds zur Kulturförderung sowie von der Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Was diesen Sommer sonst in Steinort läuft
Steinort hat in dieser Saison ein für einen Ort dieser Größe ungewöhnlich volles Programm. Zwei Tage nach Ahasverus, am 28. Juli um 17:00 Uhr, gastiert in Nowy Sztynort das Familienstück Griechische Mythen im Land der Großen Seen. Den ganzen Sommer über finden hier zudem Konzerte in der Schlosskulisse statt. Von Poza Zgiełkiem sind es 8 km nach Steinort – zwölf Minuten mit dem Auto oder fünfundzwanzig mit dem Rad auf der Uferstraße, was vor einer Abendvorstellung ein Vergnügen für sich ist. Den Augustkalender haben wir in August 2026 in Masuren zusammengefasst.
Tipp
Die Aufführung ist ein Rundgang um das Schloss, was bei der Planung zu berücksichtigen ist – die Veranstalter bitten Personen, die Unterstützung beim Gehen benötigen, sich vorab zu melden. Kehrt STN:ORT in der nächsten Saison zurück, lohnt ein Blick auf die Seite der Stiftung – eine der wenigen Gelegenheiten, das Schlossgelände am Abend zu sehen.
Foto: Wikimedia Commons / Janericloebe / domena publiczna



